Zur Gemeindegeschichte

 

Unser staatlich anerkannter Erholungsort ist seit dem 1. Januar 1994 Ortschaft der Großen Kreisstadt Auerbach im Vogtland, liegt auf einer Höhe von 630 bis 720m über NN und ist eingebettet in den Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Laubberg (767 m) und Eulenberg (710 m) prägen das Ortsbild.

Bereits 1962 wird die Gemeinde Schnarrtanne "Staatlich anerkannter Erholungsort". 2006 wird sie, gemeinsam mit der Ortschaft Beerheide, als "Staatlich anerkannter Erholungsort Beerheide Schnarrtanne" wiederbestätigt.

Zu unserer Gemeinde gehören 6 Ortsteile: Schnarrtanne, Vogelsgrün, Grünheide, Bad Reiboldsgrün, Carolagrün und Albertsberg. Von 9,37 Quadratkilometern Gemeindefläche ist ein großer Teil bewaldet. Überwiegend Fichtenwald prägt das Landschaftsgebiet.

Unser Ort Schnarrtanne birgt so viele große und kleine Kostbarkeiten, die es neu zu entdecken gilt. Wer Lust dazu hat, ist herzlich eingeladen!

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Schnarrtanne

 

Ansichtskarte Schnarrtanne

 

1504 kaufte Hans Edler von der Planitz einen Teil der großen Gebietsherrschaft Auerbach(Göltzsch), 1525 den verbleibenden Teil mit Schloss und Stadt. Der inzwischen erfolgreiche Bergbau im Erzgebirge versprach auch Gewinne im Vogtland.
Zwischen 1546 und 1550 ist Schnarrtanne entstanden. Erstmals urkundlich erwähnt ist das Dorf in einer Lehnsurkunde vom 05. September 1551, mit der Baltasar Edler von der Planitz durch Heinrich Burggraf zu Meißen mit der Herrschaft Göltzsch belehnt wurde, zu der Schnarrtanne gehörte. Vorausgegangen war die erste Erbteilung der Gesamtherrschaft nach dem Tode des Hans Edler von der Planitz im Jahre 1535.
In dieser ersten urkundlichen Erwähnung erscheint der Ort unter dem Namen „Die Schnarrtann“  in späteren Erwähnungen „uf der Schnarthann“ (1558), „Schnarthan“(1602), „uf die Schnardan“ (1633) und ab 1768 unter „Schnarrtanne“.

Das Hahnenhaus 

1632, nachdem Gustav Adolf von Schweden den Tod auf
dem Schlachtfeld gefunden hatte, löste sich sein Heer
in einzelne
Gruppen auf, die plündernd durch die deutschen Lande zogen.

1639 kam eine schwedische Abteilung aus Richtung
Schneeberg. Ihr Weg nach Plauen führte sie über Schnarrtanne.
Die Einwohner hatten ihre Häuser verlassen und
mit ihrer ganzen Habe Schutz
im Talgrund zwischen Schnarrtanne und Wernesgrün gesucht.
Hier lag, versteckt in einem fast undurchdringlichen
Fichtendickich,
ein einzelnes Gehöft, der Meierhof, das heutige Hahnenhaus.

Vogelsgrün

zur Verfügung gestellt von André Baldauf - Vogtland History
 

wurde erstmalig 1411 als "Voistelsgrune", 1450 als "Vogelsgrüne" urkundlich erwähnt. Die "Voistel" oder "Vogel" waren Bergleute, die am Eulen- und Laubberg nach Zinn, Eisenerz und Silber schürften. (Grune = Grün, bedeutet Rodung) Die Namen Zinnsbach und Silberbach lassen noch heute auf den Bergbau zurückschließen, der im 30-jährigen Krieg einging. Vogelsgrün gehörte bis zur Ablösung der Feudallast, 1836, zur Auerbacher Herrschaft derer von der Planitz.

Bad Reiboldsgrün


 

Nach Akten des Amtsgerichtes Auerbach aus dem Jahre 1705 erwarb der Oberforstmeister Hans von Reibold ein unbebautes Waldlehen bei Heideschachen von Steuerrat Grohligen, um darauf ein Forsthaus zu errichten. Die erforderliche Zustimmung des Kurfürsten konnte er durch dessen Abwesenheit wegen Krieg und Regierungsgeschäften in Polen erst im Jahre 1710 erhalten. Auch eine Eingabe der Edlen von der Planitz, die die Viehtrift der umliegenden Dörfer eingeschränkt sahen, verzögerte das Vorhaben des Hans von Reibold.

Albertsberg




historische Ansicht von Albertsberg um 1921
zur Verfügung gestellt von André Baldauf

 

In seiner Schrift „Volksheilstätten für Lungenkranke ein Beitrag zur Lösung der sozialen Frage“ wies Dr. Driver auf die Notwendigkeit hin, Volksheilstätten zu errichten.
Nachdem Dr. Driver am 15. Juli 1890 dem Sächsischen König Albert bei einem Besuch in Bad Reiboldsgrün diese Schrift überreichte, konnte unter dem Protektorat von König Albert am 08. Juli 1893 inzwischen ein „Verein zur Begründung und Erhaltung von Volksheilstätten für Lungenkranke in Sachsen“ (später Sächsischer Volksheilstättenverein für Lungenkranke“, ab 1917 „Sächsischer Heilstättenverein für Lungenkranke e.V.“ , Sitz Dresden) gegründet werden.

Am 20. September 1897 wurde in feierlicher Weise und zu Ehren König Alberts, in Gegenwart des Königspaares, die „Volksheilstätte Albertsberg“ für Männer, mit 121 Betten, als erste Volksheilstätte Sachsens und eine der ersten Deutschlands übergeben.

Carolagrün



Das Foto wurde uns von "Vogtland History"-André Baldauf
bereitgestellt

-Carolagrün um 1901-
 

Auf der Hauptversammlung des Volksheilstättenvereins wurde am 22. Mai 1898 der Plan, auch eine Heilstätte für weibliche Lungenkranke zu gründen, zum Beschluss erhoben.
Einmal konnte „über eine wider Erwarten erfreuliche Vermehrung des Vereinsvermögens“ berichtet werden, zum anderen gab es eine „namhafte Zuwendung gelegentlich der Jubelfeier des Königs Albert“ (Angaben nach Dr. Mavenstein: „Frauen- und Kinder-Volksheilstätte Carolagrün“, -aus: „Der Sächsische Heilstättenverein für Lungenkranke und seine Anstalten“, o. J.).

Grünheide



 

In der für Reiboldsgrün angegebenen Gerichtskarte von 1711 wird „Grünheyde“ bereits erwähnt.
Der Inhalt legt den Schluss nahe, dass zu dieser Zeit bereits ein Forsthaus bestand.
1771 wird für diesen Waldort ein „besserer Mann“ angegeben – ein Hof mit anzunehmenden 5 bis 8 Bewohnern.Grünheide gehörte nicht zur Grundherrschaft Auerbach, sondern war amtsunmittelbar, also dem Landesherrenals Grundherren unterstellt. Nachweislich bis 1820 gab es keine weiteren Ansiedlungen.

Im Jahre 1887 interessiert sich der Verein für Ferienkolonien Leipzig für das vogtländische Grünheide. Der Vorstand entschließt sich für diesen Standort, und bereits 1888 erholen sich zum ersten Mal 24 Großstadtkinder im Vogtland. Im Juni 1901 wird ein neues Haus geweiht, das den Namen „Ernst-Wagner-Haus“ erhält.
Professor Dr. Ernst Leberecht Wagner war ein großer Förderer des Vereins und
machte diesen Bau durch eine Stiftung von 30.000 Mark möglich.

Von nun an sind von Ende Mai bis Ende September fünf Belegungen möglich, in denen sich jeweils 124 Kinder drei Wochen lang erholen können.

Warum unser Ort Zindelsgrie und Räächertann genannt wurde

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten überwiegend arme Leute in unserer Gegend. Ihr größter Besitz war ihr  Häuschen, auf das sie meistens eine hohe Brandversicherung abgeschlossen hatten. Oftmals waren die Häuser älter und um nun an das Versicherungsgeld zu gelangen, waren die Vogelsgrüner und Schnarrtanne sehr einfallsreich. Immer wieder ereigneten sich bei Gewitter Häuserbrände. Bereits wenn der erste Blitz zuckte standen Häuser in Flammen, auch wenn der Blitz kilometerweit entfernt einschlug. Von den Hauseigentümern wurde die Feuerwehr oftmals erst dann gerufen, wenn nichts mehr zu retten war.

"Böse Zungen" behaupten doch gar, dass bei einigen Häusern oft selbst Hand angelegt wurde.

Es hatte sich zwischen den Feuerwehren von Schnarrtanne/Vogelsgrün und Rützengrün eine Art Wettbewerb entwickelt. Wer zuerst den Brandort erreichte, bekam eine Prämie. So wurde teilweise ein Baum gefällt, um die gegnerische Feuerwehr am Erreichen der Brandstätte zu hindern.

Diese Begebenheiten trugen dazu bei, dass der Volksmund Vogelsgrün scherzhaft Zindelsgrie (Zündelsgrün) und Schnarrtanne Räächertann (Räuchertanne) nannte.